Tachographen 2026 und Transportpreise: Was zeigen unsere Daten?
Die Tachographenpflicht betrifft längst nicht mehr nur Transportunternehmen. Auch Unternehmen, die Transporte beauftragen, spüren die Auswirkungen. Die Preise für Expresstransporte mit leichten Nutzfahrzeugen liegen aktuell
38 % über ihrem Zwölfmonatsdurchschnitt. Die durchschnittliche Frachtrate beträgt derzeit 0,92 €/km. Das setzt sowohl die Transportbudgets als auch den gesamten Frachteinkauf unter Druck.
Doch hinter diesen Zahlen steckt mehr als ein reiner Preisanstieg. Seit der Ausweitung der Tachographenpflicht haben sich die Verfügbarkeit von Transportern, die Tourenplanung und der Zeitaufwand für die Organisation von Transporten verändert. Logistikteams stehen damit vor Herausforderungen, die im Expressverkehr bisher weniger relevant waren.
Disponenten mussten mehr Zeit in die Suche nach geeigneten Transportkapazitäten investieren. Gleichzeitig nahm die Flexibilität bei der Planung ab und die Preisunterschiede zwischen den Angeboten der Frachtführer wurden deutlich größer. Daten aus den ersten Wochen nach der Umstellung zeigten eine Arbeitsbelastung der Disponenten von rund 25 bis 30 % über der angestrebten Kapazitätsauslastung.
Inzwischen hat sich der Markt teilweise angepasst. Nach dem anfänglichen Preissprung sind die Frachtraten wieder gesunken. Auf das ursprüngliche Niveau sind sie bislang jedoch nicht zurückgekehrt.
Deshalb haben wir unsere Daten genauer analysiert. Wie haben sich die Transportpreise vor und nach der Regeländerung entwickelt? Was berichten Logistikverantwortliche und Transportunternehmen? Und was können Auftraggeber tun, wenn sich die Preise für Transportkapazitäten innerhalb weniger Wochen erheblich verändern?
„Der erste Preissprung war eine Reaktion des Marktes auf die neue Situation. Entscheidend ist jedoch, was wir heute beobachten. Die verfügbaren Kapazitäten erholen sich allmählich und der Markt passt sich an. Die Frachtraten liegen aber weiterhin über dem Niveau, an das Unternehmen gewöhnt waren. Die kommenden Monate werden zeigen, wo sich der Markt langfristig einpendelt,“ Martin Večeřa, Managing Director bei Transportly.
Entwicklung der Frachtraten im Kleintransport 2026
| Aktueller Frachtpreis vs. 12-Monats-Durchschnitt | 12-Monats-Durchschnitt | Aktueller Durchschnittspreis |
|---|---|---|
| +38 % | 0,67 €/km | 0,92 €/km |
Was hat sich seit dem 1. Juli 2026 geändert?
Seit dem 1. Juli 2026 gilt die Pflicht zum Einsatz intelligenter Tachographen auch für leichte Nutzfahrzeuge mit einer zulässigen Gesamtmasse von über 2,5 bis 3,5 Tonnen, die im grenzüberschreitenden Güterverkehr oder in der Kabotage eingesetzt werden.
Damit müssen Fahrer auch in diesem bisher deutlich flexibleren Transportsegment die Vorschriften zu Lenkzeiten, Fahrtunterbrechungen und Ruhezeiten einhalten.
Die geltenden Vorschriften und Pflichten erklären wir ausführlich in unserem
Die Transportpreise sind stark gestiegen. Auf das frühere Niveau sind sie bisher nicht zurückgekehrt.
Die Auswirkungen der neuen Vorschriften machten sich nicht erst am 1. Juli bemerkbar. Unsere Daten zeigen, dass die Frachtraten für Expresstransporte mit Transportern bereits vor Inkrafttreten der neuen Regelung zu steigen begannen.
Im März 2026 lag die durchschnittliche Frachtrate bei 0,61 €/km. Im April stieg sie auf 0,70 €/km, im Juni erreichte sie 0,75 €/km. Im Juli, unmittelbar nach Einführung der neuen Vorschriften, sprang sie auf 1,05 €/km.
Der Juli markierte jedoch kein neues dauerhaftes Preisniveau, sondern den Höhepunkt einer starken Marktreaktion. In den folgenden Monaten begann sich die Situation zu stabilisieren. Die aktuelle durchschnittliche Frachtrate ist inzwischen auf 0,92 €/km gesunken.
Das ist zwar deutlich weniger als auf dem Höchststand im Sommer, liegt aber weiterhin 38 % über dem Zwölfmonatsdurchschnitt von 0,67 €/km.

Nach dem Preisschock im Juli hat sich der Markt somit schrittweise stabilisiert. Unsere Daten zeigen bislang jedoch keine Rückkehr zum Preisniveau vor der Regeländerung.
Wöchentliche Daten zeigen erste Anzeichen einer Stabilisierung. Hat der Markt ein neues Gleichgewicht gefunden?
Die wöchentlichen Daten verdeutlichen, wie stark der Markt Ende Juni und Anfang Juli reagierte. Nachdem sich die Frachtraten über mehrere Monate überwiegend zwischen 0,60 und 0,80 €/km bewegt hatten, überschritten sie innerhalb weniger Wochen die Marke von 1 €/km.
Die anschließende Preiskorrektur zeigt, dass der Höchststand im Juli kein dauerhaftes Preisniveau darstellte. Für eine abschließende Einschätzung, auf welchem Niveau sich die Frachtraten stabilisieren werden, ist es allerdings noch zu früh.
Deshalb werden wir die weitere Entwicklung beobachten und unsere Daten regelmäßig auswerten.

Wie sich der Transportmarkt an die neuen Regeln anpasst
Die Transportunternehmen reagierten unterschiedlich auf die neuen Anforderungen. Die Mehrheit begann damit, ihre bestehenden Transporter mit Tachographen nachzurüsten. Andere passten die Zusammensetzung ihres Fuhrparks an. Ein Teil wartete zunächst ab, wie sich der Markt entwickeln würde.
Die Mehrheit der Transportunternehmen entschied sich für den Einbau von Tachographen
In unserer Umfrage vom Juni 2026 gaben 60 % der befragten Transportunternehmen an, die meisten oder alle ihrer Transporter mit Tachographen auszurüsten.
Weitere 20 % begannen damit, ihren Fuhrpark zu diversifizieren. Die übrigen 20 % warteten zunächst ab, wie sich die Marktsituation entwickeln würde.

Wo es die Ladung zulässt, kommen kleinere Fahrzeuge zum Einsatz
Eine deutliche Veränderung beobachten wir auch bei Fahrzeugen bis 2,5 Tonnen, die nicht unter die neue Tachographenpflicht fallen.
Für kleinere und leichtere Sendungen sind sie deshalb zu einer Alternative zu Transportern über 2,5 Tonnen geworden.
In der zuletzt ausgewerteten Woche lag das Transportvolumen dieser Fahrzeuge in unseren Daten bei mehr als dem Neunfachen des Volumens der ersten Kalenderwoche. Im Vergleich zum wöchentlichen Durchschnitt im Juni hatte sich das Volumen ungefähr verdoppelt.
Allerdings sind kleinere Fahrzeuge kein Ersatz für jeden Transport. Entscheidend sind sowohl das Gewicht als auch die Abmessungen der Sendung.
Die Entwicklung macht dennoch eines deutlich: Die neuen Vorschriften verändern nicht nur die Transportpreise, sondern auch die Fahrzeugtypen, mit denen bestimmte Sendungen befördert werden.

Wenn 800 Kilometer nicht mehr unbedingt eine Zustellung am selben Tag bedeuten
Im Expressverkehr zählen nicht nur der Preis und die Verfügbarkeit eines Fahrzeugs. Die neuen Vorschriften beeinflussen auch, wie viel Zeit einem Fahrer für die eigentliche Fahrt zur Verfügung steht.
Das lässt sich anhand einer beispielhaften 800 Kilometer langen Strecke veranschaulichen.
Vor Einführung der neuen Vorschriften konnte ein solcher Expresstransport mit einem Transporter in etwa 10 bis 11 Stunden innerhalb einer durchgehenden Fahrt durchgeführt werden.
Bei der heutigen Planung muss dagegen auch die reguläre tägliche Lenkzeitbegrenzung von 9 Stunden berücksichtigt werden.
Bei einer durchschnittlichen effektiven Geschwindigkeit von rund 76 km/h legt ein Fahrer innerhalb dieser Zeit etwa 680 Kilometer zurück. Die verbleibenden rund 120 Kilometer kann er unter Umständen erst nach der vorgeschriebenen Ruhezeit absolvieren.
Aus einem Transport, der früher an einem Tag durchgeführt werden konnte, kann dadurch eine Beförderung mit einer Transitzeit von ungefähr 19 bis 22 Stunden werden.

Auch Wartezeiten beim Be- und Entladen können die gesamte Transitzeit beeinflussen. Hat der Fahrer seine zulässige Lenkzeit ausgeschöpft, darf er die Fahrt erst nach der vorgeschriebenen Ruhezeit fortsetzen.
Höhere Transportpreise sind das eine. Entscheidend ist, ob sie angemessen sind.
In einem Markt, in dem sich Frachtraten innerhalb weniger Wochen deutlich verändern, reicht es nicht mehr aus, ein aktuelles Angebot nur mit dem Preis des letzten Transports zu vergleichen.
Eine Frachtrate, die vor wenigen Monaten auf derselben Strecke üblich war, muss nicht mehr der aktuellen Kapazitätsverfügbarkeit oder Marktsituation entsprechen.
Umgekehrt bedeutet ein höherer Angebotspreis nicht automatisch, dass er unangemessen ist.
Für Logistik- und Einkaufsteams wird es deshalb immer wichtiger, bei ihren Entscheidungen auf eigene historische Transportdaten zurückgreifen zu können.
Dazu gehört zu wissen, zu welchen Preisen eine bestimmte Strecke bisher vergeben wurde, welche Angebote einzelne Frachtführer abgegeben haben und wie sich die Frachtraten im Laufe der Zeit entwickelt haben.
In Zeiten starker Preisschwankungen ist nicht allein der Preisanstieg das größte Problem. Schwieriger ist es, ohne ausreichende Vergleichsdaten zu beurteilen, ob ein aktuelles Transportangebot tatsächlich der Marktsituation entspricht.
„Bei einer solchen Preisentwicklung reicht es nicht mehr aus, nur die Kosten des letzten Transports zu kennen. Logistikverantwortliche müssen sehen können, wie sich die Preise auf einer bestimmten Strecke entwickelt haben und welche Angebote sie von ihren Frachtführern erhalten haben. Erst dann können sie beurteilen, ob der aktuelle Preis angemessen ist,“ Martin Večeřa, Managing Director bei Transportly.
Marktpreise können Sie nicht beeinflussen. Ihren Frachteinkauf schon.
Ein Unternehmen kann weder die Marktentwicklung noch die neuen gesetzlichen Vorschriften ändern.
Es kann jedoch besser kontrollieren, zu welchem Preis es Transportleistungen einkauft und auf welcher Datengrundlage diese Entscheidungen getroffen werden.
Mit der Plattform 4Shipper kann ein Logistikteam eine einzige Transportanfrage an mehrere Frachtführer aus dem eigenen Netzwerk senden und die eingehenden Angebote zentral vergleichen.
Statt nur einen Angebotspreis aus einer E-Mail zu berücksichtigen, sieht das Team mehrere Angebote für denselben Transport auf einen Blick.
Angebote, Preise und Entscheidungen bleiben in 4Shipper gespeichert. Bei der nächsten Transportvergabe kann das Team aktuelle Angebote mit der eigenen Preishistorie vergleichen, ohne Informationen in alten E-Mails suchen zu müssen.
Und wo Unternehmen mehr Planungssicherheit benötigen, müssen sie sich nicht ausschließlich auf Spottransporte verlassen.
Spot Procurement und Tender & Contract Management sind in 4Shipper in einem gemeinsamen Workflow verbunden. So können Unternehmen die kurzfristige Transportvergabe mit längerfristigen Frachtraten und Transportverträgen kombinieren.

Die kommenden Monate werden zeigen, wie sich der Markt weiterentwickelt
Der Transportmarkt sucht weiterhin nach einem neuen Gleichgewicht. Die Transportunternehmen passen sich an die veränderten Rahmenbedingungen an und der anfängliche Preisanstieg hat sich abgeschwächt.
Auf welchem Niveau sich die Frachtraten langfristig einpendeln werden, lässt sich jedoch erst in den kommenden Monaten beurteilen.
Für Unternehmen, die regelmäßig Transportleistungen einkaufen, wird es deshalb umso wichtiger, eigene Preisdaten zu nutzen, mehrere Angebote zu vergleichen und sowohl Spot- als auch Vertragsraten im Blick zu behalten.
Wir werden die Marktentwicklung weiterhin verfolgen und unsere Daten regelmäßig auswerten.
Möchten Sie Ihre Transportpreise, die Angebote Ihrer Frachtführer und die Entwicklung Ihrer Transportkosten besser im Blick behalten?
Kontaktieren Sie uns. Wir unterstützen Sie gerne.